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Nantes

Radfahrer werden Nantes bestechend finden: überall in der Stadt gibt es Radwege. Kreuzungen sind für Radfahrer extra geregelt. Die Stadt gibt einen Stadtplan mit allen Radwegen speziell für Radfahrer heraus. Die Polizei geht per Rad auf Streife. Für Frankreich ungewohnte, aber ermutigende Anzeichen.

Obwohl Nantes im 2. Weltkrieg durch die deutsche Besatzung beträchtliche Schäden erlitten hat, hat sie ihren alten Charakter durchaus bewahrt. Schon zur Zeit der Kelten war Nantes eine bedeutende Siedlung.

Heute leben in Nantes ca. 270.000 Einwohner. Nantes ist Universitäts- und Bischofsstadt. Viele Museen bereichern das kulturelle Leben, so z.B. das Jule-Verne-Museum. Die spätgotische Kathedrale Saint Pierre, mit deren Bau schon im 15. Jahrhundert begonnen wurde, ist neben dem herzoglichen Schloss von 1466 eine der großen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Eine Parkanlage, vergleichbar dem Frankfurter Palmengarten, lädt zum Verweilen ein. Unbedingt ansehen muss man sich die Passage Pommeraye.

Der Kanal Nantes-Brest beginnt mit der Schleuse 1 „Saint Felix“ an der Loire und wird unterirdisch unter dem Schloss und der Kathedrale geführt, um dann im Fluss Erdre weitergeführt zu werden.


Nantes nach Blain


Unser Weg aus Nantes hinaus führt uns zuerst am Ufer des Erdre entlang. Ab Le Port Barbe sind wir auf der D69, die wir bis fast Bois-de-Bout radeln, um an den Kanal (Fluss L´Isac)zu kommen.

Ab da gibt es dann den Treidelpfad, der uns bis zum Ziel in Chateaulin führen wird. Schon nach ein paar hundert Metern sind wir mitten in der Natur. Etwa zwei Kilometer nach der 11. Schleuse erreichen wir nach 55 km Blain, mit seinem Chateau aus dem 12. Jahrhundert.


Blain nach Redon

Von Blain nach Redon passieren wir weitere sechs Schleusen; der „Anstieg“ über die 45 km ist nicht merkbar. Wir kommen an einem ausgedehnten Sumpfgebiet vorbei und entdecken zum ersten Mal freilebende Biber.

Redon hat sich rund um ein benediktinisches Kloster ab 830 entwickelt. Hier kreuzt der Fluss Vilaine den Kanal. Redon ist die Kreuzung der Wasserstraßen der Bretagne; ehemals mit Zugang zum Meer und in der Verbindung nach Rennes.


Redon nach Josselin

Wir kommen durch Malestroit, ein kleines Dorf in typischer bretonischer Bauweise. Trotz Kanal (Fluss L´Oust) ist die Hochwassergefahr wohl nicht gebannt, wie Postkarten aus dem Jahr 2001 zeigen.

Nach 65 km ist Josselin erreicht. Schon von weitem sind die runden, kegelförmigen spitzen Türme des Schlosses auszumachen. Auch Josselin ist ein altes Städtchen, das seine Gründung im Jahr 800 einer (lebenden) Madonnenstatue in einem Brombeergestrüpp verdankt. Die Basilika trägt deshalb auch den Namen „Notre Dame du Roncier“.


Josselin nach Pontivy

Auf dem Weg nach Pontivy können wie miterleben, wie der nicht schiffbare Kanal in Schuss gehalten wird. Der Kanal wird von den wuchernden Wasserpflanzen befreit.

Von Rohann bis Pontivy passieren wir in kurzer Zeit allein 50 Schleusen. Auch Pontivy, das nach insgesamt 50 km erreicht ist, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet vom Mönch Ivy um 690 weist Pontivy zwei Besonderheiten auf: Zum einen steht hier das mittelalterliche Schloss (von 1485) der Rohan, zum anderen gibt es die durch Napoleon I. gegründete Neustadt. Napoleonville, wie Pontivy auch genannt wird, war eine Garnisonsstadt mit Kaserne, Gericht, Gefängnis, Krankenhaus und Schule.


Pontivy nach Rostrenen

Ab Pontivy fließt der Kanal im Bett der Blavet. Bis kurz vor der Staumauer des Stausees Guerledan bei Mur de Bretagne können wir am Kanal fahren. Dann heißt es Mur zu erklimmen. Um den Stausee herum führt uns eine ehemalige Bahnlinie (Voie Verte) bis wir an der Schleuse 137 wieder zum Kanal zurückkommen.

Kurz vor der Abbaye de Bon-Repos erleben wir unbekümmerte kleine Biber beim Spielen im Kanal. Nach der Doppelschleuse 146 Coat-Natous entdecken wir am anderen Ufer die kleine „Chapelle de la Pitié“. Fünf Schleusen weiter verlassen wir nach 55 km den Kanal, um nach Rostrenen hinauf zu radeln.


Rostrenen nach Chateauneuf-du-Faou

Auf dem Weg nach Chateauneuf-du-Faou kommen wir zum höchsten Punkt des Kanals, wir sind 184 m hoch. In kurzer Folge kommen die Schleusen, die den Kanal wieder auf die normale Höhe bringen. Am Wegesrand weisen Schilder auf die Entstehungsgeschichte des Kanals hin; kleine Geschichten erzählen von Polizisten und von Sträflingen.

An der Schleuse 209 „Pont-Triffen“ ist das Schleusenwärterhaus zu einem Informationszentrum zum Kanal ausgebaut. Hier erfährt man alles über Fauna und Flora des Kanals. Uns wird erzählt, dass die netten Biber (franz.: Ragondin) keinesfalls gern gesehene Bewohner des Kanals sind.

Die Kirche von Chateuneuf-du-Faou ist schon von Weitem oberhalb des Kanals zu sehen. Es gilt in die Pedale zu treten, um den 60. Kilometer des Tages abzuschließen.


Chateuneuf-du-Faou nach Chateaulin

Die letzte Etappe nach Chateaulin ist 48 km lang. Flach geht es am Kanal (dem Fluss L´Aulne) entlang. Die Schleusen sind jetzt wieder mehrere Kilometer auseinander. In Chateaulin spielt sich das Leben entlang eines Streifens am Fluss ab; rechts und links vom Ufer steigt das Gelände an. Auffällig sind die alten Brücken über den Fluss und das alte Rathaus.

Von hier sind es noch zehn Kilometer und weitere sieben Schleusen bis zum Meer. Aber unser Radurlaub nähert sich seinem Ende. Wir müssen mit dem Zug zurück nach Nantes; der Bahnhof ist oberhalb von Chateaulin.



Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 12. Oktober 2008 um 19:37 Uhr